Home  |   Kontakt  |   Impressum    

März 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31   
 3 Termine 

April 2017
Mo Di Mi Do Fr Sa So
          1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
 0 Termine 

Bewegen Sie den Mauszeiger über die grau unterlegten Tage (JavaScript muss in Ihrem Browser aktiviert werden)

Das Schularchiv

12 Fragen an den Herrn und Meister des Schulgedächtnisses


Interview der Schülerin Mathilda Kolb(8c) mit dem Leiter des Schularchivs Herrn Joachim Heger (05.11.2009)

Wie lange gibt es unser Schularchiv schon?

Über die Entstehung des Schularchivs lässt sich aus den in ihm vorhandenen Akten nichts Genaues erfahren. Allerdings darf man aus den bis in die Gründerjahre der Schule, noch als Gewerbeschule im Jahre 1856 auf der anderen Saarseite, reichenden Unterlagen erschließen, dass bereits seit Beginn der schulischen Aktivitäten die Dokumente gesammelt wurden. Am 7. Januar 1904 fand dann der Umzug der Schule in das Gebäude am Landwehrplatz statt. Seither muss es ein offiziell geführtes Archiv gegeben haben.

Wie lange kümmern Sie sich schon um unser Schularchiv? Warum kümmern Sie sich darum?

Als die Kollegin Dupré in den Ruhestand trat (1979), bat mich der damalige Direktor der Schule, das Amt des Schularchivars zu übernehmen. Dass er dies durchaus mit Bedacht gemacht hatte, zeigte sich mir sehr bald. Es stand nämlich für das Jahr 1981 die 125-Jahrfeier der Schule an. Für die Festschrift musste jemand gefunden werden, der bereit war, die Geschichte der Schule seit 1856 zu erforschen und niederzuschreiben. Als Geschichtslehrer und Archivar sah mich Direktor Braun dazu prädestiniert.
Wenn dies auch mit sehr umfangreichen Arbeiten und hohem Zeitaufwand verbunden war, habe ich mich dieser Aufgabe nicht ungern gestellt. Ich erhielt einen tiefen Einblick in die Entwicklung der Schule und konnte einige der mir zugänglichen Materialien - natürlich anonymisiert - auch direkt in den Geschichtsunterricht einbinden.
Die Aufgabe des Schularchivars will ich auch weiterhin gerne bis zum Ende meiner Tätigkeit am Otto Hahn Gymnasium wahrnehmen. Mit den bisher erworbenen Kenntnissen kann ich z.B. den immer wieder neuen Wünschen von Ehemaligen an das Archiv schnell und zielgerichtet nachkommen und in Gesprächen mit ihnen meinen Kenntnisstand zur Schule erweitern ( z. B. Ereignisse, Zuordnung von Personen auf Fotos...), um diese dann festzuhalten. Überhaupt bereitet die Arbeit an Primärquellen einem Geschichtslehrer immer wieder Freude.

Warum gibt es so etwas wie ein Schularchiv überhaupt?

Schulen sind aus juristischen Gründen dazu verpflichtet, Dokumente wie Zeugnisse u.Ä. eine bestimmte Zeitspanne lang aufzubewahren. Dies ist vergleichbar mit den Standesämtern. Gerade die Jahrgänge, die während der Zeit des Zweiten Weltkrieges die Schule besuchten, wissen den Wert dieser Dokumentationspflicht zu schätzen. In dieser Zeit sind nämlich durch Bombenangriffe oder andere Kriegsereignisse oder -einflüsse viele Dokumente in den Privathaushalten verloren gegangen. Da unsere Schule zu den wenigen gehört, die nicht durch derlei Eingriffe beschädigt wurden, verfügen wir über ein umfangreiches Dokumentenmaterial, mit dem man Zweitschriften der verloren gegangenen Dokumente erstellen und entsprechende amtlich beglaubigte Dokumente fertigen kann. Dies kann sogar Auswirkungen bis zur Berechnung der Höhe der Rente haben.

Wie groß ist der Bestand des Schularchivs?

Über die Gesamtzahl der Materialien und Dokumente kann ich. Um einmal nur die Anzahl der Klassenbücher seit dem Schuljahr 1963/4 bis 2008/9 zu nennen, so handelt es sich insgesamt um etwa 1500 Klassen- und Kursbücher. Diese stehen aus Platzgründen und der Übersicht wegen oben auf , nicht in den Schränken und Regalen des Archivs. In den Schränken und Regalen befinden sich viele weitere Dokumente, sodass die Anzahl der vorhandenen Dokumente sicherlich mehr als 5000 beträgt. Z. B. findet man ja auch Notenlisten, Klassenaufsätze, Abiturarbeiten, Konferenz- und Mitteilungsbücher und v. a. m. im Archiv.

Was ist das älteste Dokument, das im Schularchiv vorhanden ist?

Die ältesten Schuldokumente, Reifezeugnisse, stammen aus dem Jahre 1858. Aber es gibt auch noch Lehrbücher, die älter sind.

Gibt es etwas ganz besonders Wertvolles?

Der Wert eines Gegenstandes hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Im Sinne eines beim Verkauf zu erzielenden materiellen Gewinns kann das Archiv sicherlich nichts anbieten, was dem allgemeinen Interesse viele Tausende Euro wert sein könnte. Allerdings verfügt das Archiv über einige geschichtsträchtige Materialien oder Dokumente, um die uns andere Gymnasien durchaus beneiden könnten. Dies beginnt z.B. mit den schon erwähnten Zeugnissen und führt über die eindrucksvolle in Brokat gehaltene Schulfahne bis zu dem so genannten Heldenbuch der Schule (Gedenkbuch an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Schüler und Lehrer) und der Reisestiftung für den jährlichen Besuch zweier Schüler der Oberstufe im Deutschen Museum in München.

Gibt es etwas historisch Wertvolles, wie etwa eine interessante Quelle?

Das Archiv verfügt über viele historische Quellen. Mit Hilfe der Abgangsbücher, in denen festgehalten wird, wann welcher Schüler vor Erreichen des Abiturs die Schule verlassen hat, konnte z. B. nachgewiesen werden, dass Max Ophüls, anders als in seiner Biographie behauptet wird, bei uns nicht das Abitur gemacht hat.
Sehr interessant sind auch die Abituraufsätze aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, in denen Schüler nach Kriegseinsätzen in Russland oder Ernteeinsätzen an der Mosel ihre Erlebnisse, durchaus auch schon kritisch, niedergeschrieben haben. Für den Historiker interessant sind aber auch die Abituraufsätze aus der Zeit des Dritten Reiches, weil man in ihnen erkennen kann, wie sich das Gift des nationalsozialistischen Gedankengutes in den Köpfen der jungen Männer breit gemacht hatte. Nun weiß man zwar nicht, ob die Abiturienten auch so glaubten, wie sie schrieben. Immerhin aber kann man anhand dieser Texte erkennen, was sie glaubten, dass die Lehrer im Auftrag der Kultusbehörde gerne von ihnen hören wollten.

Werden Jahresberichte, wie sie im Archiv vorhanden sind, immer noch geschrieben?

Jahresberichte, wie sie seit dem 19. Jahrhundert bis 1938 vorliegen, werden heute nicht mehr geschrieben. Zur Information über den Schulalltag und einzelne, besonders erwähnenswerte Ereignisse dient heute die umfangreiche und stets aktualisierte Homepage der Schule.

Werden heute noch sämtliche Klassenbücher, Festschriften, Fotos usw. aufgehoben und ins Archiv gebracht?

Als Archivar der Schule bin ich daran interessiert, so viel wie möglich Material aus dem Schulalltag im Archiv aufzubewahren. Dies gilt nach wie vor für Klassenbücher, Festschriften, Fotos u. v. a. m. Bei Klassentreffen Ehemaliger versuche ich immer wieder, diese zur Identifizierung von Personen auf alten Fotos heranzuziehen oder von ihnen Fotos zu erhalten oder "Geschichten" aus ihrer Schulzeit zu erfahren. Heute (5.11.2009) z. B. habe ich einer Abiturientin von 1978, die als Ingenieurin in Augsburg arbeitet, Materialen aus ihrer Schulzeit (Kopien ihrer Klassenliste, der Namen der Lehrer der Klasse ...) geben können, damit sie ein Klassentreffen besser vorbereiten kann. Bei dieser Gelegenheit bat ich sie, ihre Klassenkameraden nach Bilddokumenten aus ihrer Schülerzeit zu fragen. Auch habe ich ihr im Zusammenhang mit diesem Treffen, wie bei vielen anderen bisher schon geschehen, eine Führung durch das Archiv an einem Samstag angeboten. Schon oftmals konnte ich dabei Material von Ehemaligen erhalten. Die Führung durch das Haus selbst nahm übrigens der Direktor immer selbst vor. Von besonderem Interesse waren für die Ehemaligen dann stets die Klassenbucheinträge. Mit Genehmigung der betroffenen Schüler durften die Klassen sich auch die eine oder andere Eintragung ablichten.

Gibt es auch Schüler, die Ihnen bei der Erhaltung und Pflege des Archivs helfen?

Offizielle Hilfe durch Schüler gibt es hier nicht. Natürlich bitte ich hin und wieder einige Schüler um Hilfe, wenn Klassenbücher oder andere Dokumente aus dem Archiv ins Lehrerzimmer oder zurück ins Archiv gebracht werden müssen. Eine institutionalisierte Hilfe aber gibt es nicht.

Wenn jemand gerne mithelfen möchte, ist das möglich?

Wenn jemand gerne im Archiv mithelfen möchte, ist dies durchaus möglich, allerdings mit juristisch bedingten Einschränkungen. Einen Schüler allein im Archiv arbeiten zu lassen, dies wäre juristisch nicht abgesichert, weil dort viele individuelle, personenbezogene Daten eingesehen werden können (z. B. Zeugnisse von Bekannten und Verwandten, Konferenzprotokolle etc.). Mit mir zusammen im Archiv zu arbeiten, wäre allerdings möglich, wenn es sich um eine Gruppe von mindestens zwei Schülern/Schülerinnen handelt. Allerdings müsste dazu erst die Erlaubnis des Direktors vorliegen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft unseres Schularchivs?

Wünsche gäbe es viele, jedoch muss dabei leider im Hintergrund immer an die räumlichen Probleme gedacht werden, da die Anzahl der unserer Schule zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten begrenzt ist. Natürlich wünschte man sich, dass man für das Archiv mehr Raum zur Verfügung hätte und nicht im fensterlosen, tristen Kellerraum hausen müsste. Auch wäre es sehr sinnvoll, in einem auf lange Zeit angelegten Projekt viele der vorhandenen Dokumente zu fotokopieren und in digitalen Karteien zugriffsbereit für künftige Generationen zu sichern.
Inhaltlich wünsche ich mir eine Schließung der vielen Lücken im Bilddokumentationsbereich, um die Geschichte der Schule, in der Festschrift von 2006 von mir für die vergangenen 150 Jahre festgehalten, mehr noch durch Fotographien belegen zu können.
Zur sinnvollen Nutzung des wertvollen historischen Materials im Archiv wäre es schließlich auch wünschenswert, wenn man im Archiv so viel Raum zur Verfügung hätte, dass man mit einer Klasse oder einem Kurs, zumindest aber mit einer Gruppe von 10 - 15 Schülerinnen und Schülern, dort im Rahmen des Geschichtsunterrichts oder anderer Fächer Quellenstudien vor Ort betreiben könnte.
Otto Hahn-Gymnasium
Landwehrplatz 3
66111 Saarbrücken
Telefon: 0681 / 37981 - 0
Telefax: 0681 / 37981 - 11
Internet: www.ohg-sb.de